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Liebes Deutschland …

March 9th, 2008 by Füchsin · 1 Comment

Liebes Deutschland, hast Du irgend etwas dazugelernt?

Von Dennis Prager.

Dennis Prager is a nationally syndicated radio talk show host and columnist in the United States. Please find more informations about Dennis Prager and his books, lectures and radio shows on www.PragerRadio.com
Kolumne vom 8. April 2003

Wie viele Amerikaner und fast alle Juden bin ich mit einer tiefen Wut auf Euer Land aufgewachsen. Als junger Mann jedoch habe ich angefangen, meine Ansichten zu Deutschland neu zu überdenken. Entgegen dem Ansinnen fast all meiner Bekannten – die meisten von ihnen hätten nicht einmal ein deutsches Produkt gekauft – habe ich mich dazu entschlossen, nach Deutschland zu reisen. Mein Besuch im Jahr 1968, im Alter von 20 Jahren, war die erste von mindestens einem Dutzend Reisen in Euer Land.

Tatsächlich bin ich zu einem Verteidiger von Euch geworden.

Ich habe argumentiert, es sei falsch, jeden Deutschen, der während des Krieges jünger als 13 Jahre alt war, für die schrecklichen Verbrechen Eures Landes als moralisch verantwortlich zu betrachten. „13 Jahre“ wählte ich, weil dies im Judentum die Altersschwelle zu moralischer Verantwortlichkeit ist. Im Jahr 1968 habe ich argumentiert, dass jeder Deutsche, der damals jünger als 40 Jahre war, als schuldlos betrachtet werden muss, und dass wir von Deutschen, die älter als 40 Jahre waren, nicht pauschal in jedem Fall das Allerschlimmste annehmen sollten.

Weil Volkswagen und Mercedes Geschäfte mit Israel gemacht haben und sich damit dem arabischen Boykott widersetzten, habe ich argumentiert, dass Juden nicht deutsche Produkte boykottieren sollten.

Ich habe argumentiert, dass Ihr unser standhafter Verbündeter im Kalten Krieg gegen den sowjetischen Kommunismus wart.

Vor allem habe ich argumentiert, dass die Deutschen sich ihrer Nazivergangenheit schämten und eine wichtige moralische Lektion daraus gelernt haben.

Wie ich jetzt erkenne, war das letzte Argument mehr eine Hoffnung als ein Faktum. Unzweifelhaft schämen sich die meisten Deutschen für den Nationalsozialismus und den Holocaust. Aber dass Ihr daraus nichts über gut und böse gelernt habt und dass Ihr heute genauso moralisch verwirrt seid wie damals, als Ihr Hitler unterstützt habt - darüber bin ich jetzt genauso sicher, wie ich traurig darüber bin. Nicht weil Ihr böse seid, sondern weil Ihr das Böse nicht erkennen könnt.

Es ist einfach erstaunlich. Anders als die Japaner, die Ihre Greueltaten gegen die Chinesen und Koreaner einfach ausgeklammert haben, habt Ihr euch mit dem Bösen auseinandergesetzt. Ihr habt die nächsten Generationen über den Nationalsozialismus und den Holocaust aufgeklärt.

Daher ist es unglaublich, dass diese Aufklärung über das Böse eine Generation hervorgebracht hat, die sich scheu davor drückt, das Böse als solches zu beurteilen, ganz zu schweigen davon, ihm aktiv entgegenzutreten. Es ist einfach unfassbar, dass eine Nation, die vom Nazismus allein durch Armeen, die einen Krieg geführt haben befreit worden ist, nun dem Pazifismus frönt; es ist unfassbar, dass eine Nation, die erlebt hat, wohin eine Beschwichtigungspolitik (Appeasement) dem Bösen gegenüber hinführt, nun ebendiese vertritt.

Ich war mir sicher, dass einige unter den deutschen führenden Stimmen aufstehen und sagen werden: „Liebe deutsche Mitbürger, wir erkennen einen Hitler wenn wir ihn sehen und Saddam Hussein ist einer.“ Aber keine führende deutsche Stimme erhob sich, um dies zu sagen. Statt dessen hat einer Eurer Anführer den Amerikanischen Präsidenten mit Hitler verglichen.

Ich war mir sicher, dass einige unter den deutschen führenden Stimmen aufstehen und sagen: „Liebe deutsche Mitbürger, wir erkennen einen völkermörderischen Antisemitismus, wenn wir ihn sehen, und wir sehen ihn in der arabischen Welt.“ Aber auch hier erhob sich keine führende deutsche Stimme, um dies zu sagen.

Wenige von uns haben sich etwas von den Franzosen erwartet. Angefangen bei den Jakobinern und den Guillotinen, über die Dreyfus Affäre, über das Vichy-Regime bis zu de Gaulles Rückzug aus der antikommunistischen NATO hat Frankreich mit seltenen Ausnahmen wenig Moralisches getan und nichts Mutiges. Die Geringschätzung, die viele Amerikaner seit langer Zeit gegenüber Frankreich verspüren hat sich also bloß noch verstärkt.

Aber ich glaube, ich kann im Namen vieler Amerikaner sagen, dass wir von Euch mehr erwartet haben: Auf Grund dessen, was wir für Euch nach dem Zweiten Weltkrieg getan haben und während des Kalten Krieges. Auf Grund dessen, dass Ihr, mehr als alle anderen Völker, wisst, dass die Amerikaner anständige Menschen sind. Und ganz besonders auf Grund Eurer Erfahrung mit dem Bösen. Wie kann es sein, dass Ihr einen Hitler hervorgebracht habt und nur eine Generation später keinen weiteren Hitler identifizieren könnt? Wie kann es sein dass Ihr aus erster Hand Bescheid wisst über Folter und die Schreie von Kindern und Euch doch nicht danach sehnt, sie in einem anderen Land zu beenden? Wie könnt Ihr Euch an die Seite des amoralischen Frankreichs gegen Euren Freund Amerika stellen?

Es scheint, dazu gibt es nur eine Antwort. Aus dem Nationalsozialismus habt Ihr nichts gelernt. Anstatt zu lernen, dass man gegen das Böse kämpfen muss, habt Ihr gelernt, dass es böse ist, zu kämpfen.

Aber danke für Bach.

Von Dennis Prager. Auf Townhall.com in Englisch veröffentlicht am 8. April 2003. Mit freundlicher Genehmigung übersetzt von Füchsin.
© Dennis Prager

Tags: Ethic · Kolumnen von DP · Politics

1 response so far ↓

  • 1 cris // Mar 16, 2008 at 10:38 pm

    Dennis seems to believe that it was the WWI (the Great War) that lead us, Europeans -not only Germans) , to be so pacifists as not to want to fight for anything. I find this very interesting, but I don’t fully understand how it works. But I believe it’s true.

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