Warum haben so viele Frauen Depressionen? Teil I
Von Dennis Prager.
Dennis Prager is a nationally syndicated radio talk show host and columnist in the United States. Please find more informations about Dennis Prager and his books, lectures and radio shows on www.PragerRadio.com
Kolumne vom 11. März 2008
Es wird viel darüber berichtet, dass zweimal so viele Frauen unter Depressionen leiden wie Männer. Offenbar sind mehr Frauen als je zuvor klinisch depressiv.
Vorausgesetzt, diese statistischen Grundlagen stimmen, stellt sich für jeden, der sich für das Thema interessiert – das heißt, für jeden, für den eine Frau etwas bedeutet – die Frage: warum ist das so?
Als jemand, der regelmäßig mit Frauen und über Frauen und Männer in seiner Radiosendung spricht, und der als Laie Frauen jeden Alters beraten hat, würde ich zu diesem Phänomen gerne ein paar Erklärungsversuche machen, die eventuell den derzeit politisch korrekten Erklärungsversuchen entgegen stehen, die Gründe für dieses Phänomen aber deutlich machen sollten.
Wenn wir annehmen, dass ein neues Phänomen (in diesem Fall das viel häufigere Vorkommen von Depressionen bei Frauen) auf eine neue Ursache hindeutet, kann die neue hauptsächliche Ursache nur aus den Folgen des Feminismus bestehen.
Das bedeutet nicht, dass der Feminismus nichts Gutes erreicht hat. Natürlich hat er das. Eine Bewegung, die für die Gleichheit zwischen den Geschlechtern eintritt, die sich zum Ziel setzt, alle geschlechtlich diskriminierende Hindernisse aus dem Weg zu räumen, welche Frauen das Recht verwehrten, mit ihrem Leben zu machen, was immer sie wollten - eine solche Bewegung bewirkt selbstverständlich Gutes.
Die Frage, wie viel Gutes der Feminismus erreicht hat, hat jedoch nichts mit der Frage zu tun, ob der Feminismus nicht ein Grund - oder sogar der Hauptgrund - für das häufigere Auftreten von Depressionen bei so vielen Frauen ist. Man kann den Feminismus als die größte soziale Errungenschaft seit der Sklavenbefreiung betrachten und ihn trotzdem für die Hauptursache der Depressionen so vieler Frauen halten.
Daher ist das Aufzählen der Gründe, warum der Feminismus bei vielen Frauen Depressionen verursacht hat, nicht zwangsläufig eine Anklage gegen den Feminismus. Viele gute gesellschaftliche Entwicklungen gehen mit persönlichen Opfern einher.
Wir beginnen unsere Liste mit den Erwartungen, die der Feminismus in einer Generation von Frauen geweckt hat.
Wie ich in meinem Buch über das Glück („Happiness Is a Serious Problem“, Verlag HarperCollins) schrieb, erwächst viel Unglück daraus, Erwartungen zu hegen. Wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden – und die meisten werden nicht erfüllt – werden wir oft unglücklich und sogar verbittert. Und wenn unsere Erwartungen erfüllt werden, macht uns das trotzdem nicht glücklicher, denn erfüllte Erwartungen unterminieren das Gefühl der Dankbarkeit. (Wir sind nicht dankbar, wenn wir das bekommen, von dem wir sowieso geglaubt haben, dass wie es bekommen.) Dankbarkeit ist aber für das Glück unentbehrlich.
Der Feminismus hat in den Frauen Erwartungen geweckt, die über das hinaus gehen, was das Leben für die großen Mehrheit von Frauen bereit hält. In der Vergangenheit war es schon schwer genug für Frauen, ihre viel geringeren Erwartungen zu verwirklichen, einen guten Mann zu heiraten und für eine glückliche Familie verantwortlich zu sein. Aber der Feminismus erzog eine Generation von Frauen in dem Glauben, dass sie erwarten dürfen, nicht nur das zu bekommen, sondern – für den Feminismus vielleicht sogar noch wichtiger -
dass sie auch erwarten dürfen eine erfüllende, sich finanziell lohnende, gesellschaftlich anerkannte, berufliche Karriere zu machen.
Ich wünschte, alle Amerikaner könnten die Frauen hören, die in meiner Radiosendung anrufen und davon erzählen, wie sie oft im Glauben an diese feministischen Versprechungen erzogen wurden, daher an ihrer erfolgreichen Karriere arbeiteten und dafür das Heiraten verschoben. Und nun, im Alter von 35, 40, 45 Jahren fragen sie sich, warum ihre Karriere so wenig erfüllend ist und sehnen sich nach einem Mann und nach Familie, die sie aufgeschoben haben.
Für die meisten Frauen – natürlich nicht für alle – ist eine Karriere nicht annähernd so erfüllend wie eine gute Ehe und Familie. Die Astronautin, die auf Grund einer romantischen Eifersucht ihre Karriere zerstörte – vielleicht eine Karriere mit dem meisten Prestige in Amerika sowohl für Männer wie für Frauen –ist ein extremes, aber lehrreiches Beispiel.
Sofern man nicht glaubt, dass Frauen und Männer gleich sind und dass ihnen daher die gleichen Dinge Glück bereiten, war die feministische Betonung der ‚Karriere’ ein Hindernis für das Glück vieler Frauen. Im Regelfall erlangen Frauen das meiste Glück aus Beziehungen, nicht aus der beruflichen Tätigkeit. Männer brauchen - viel häufiger als Frauen - beides. Die ganze Identität eines Mannes wird auf die Beantwortung der Frage: „Was machen Sie beruflich?“ gegründet. Ob es nun beiden Geschlechtern gegenüber fair ist oder nicht – die wenigsten Identitäten von Frauen hängen davon ab, was sie beruflich machen. Obwohl beide Geschlechter finanziell Schaden nehmen, wenn sie ihren Job verlieren, geht bei Männern bei einem Verlust des Jobs auch oft ihr männliches Selbstwertgefühl verloren. Dass für Männer die berufliche Tätigkeit eine größere Rolle spielt, zeigt sich auch in ihrer Bereitschaft, viel mehr Stunden zu arbeiten als Frauen.
Noch schlimmer für Frauen ist, dass sie nicht nur ihre beruflichen Karrieren nicht so erfüllend finden, wie man sie es hat erwarten lassen, sondern auch die Anforderungen und Aufgaben zu Hause sind meist nicht weniger geworden. Daher erleben viele Frauen einen doppelten Druck – sie müssen sowohl im Beruf erfolgreich sein als auch zu Hause. Das feministische Versprechen, dass in ihrer Ehe alles 50/50 aufgeteilt wird – jeder Partner macht den halben Job, die halbe Hausarbeit, die halbe Kindererziehung – wurde selten eingelöst. Die meisten Männer arbeiten zwar draußen, im Beruf, so viel sie können, jedoch nicht zu Hause. Folgerichtig erleben die Frauen, dass es zu Hause entweder mehr und mehr Spannungen mit ihrem Mann gibt, oder sie erleben den steigenden Druck, sowohl außerhalb im Beruf als auch zu Hause, als Mutter, Hausfrau und Ehefrau erfolgreich zu sein.
Nicht erfüllte Erwartungen sind aber nicht der einzige Grund für die Depressionen von Frauen. Allerdings sind sie ein wichtiger Grund. Und es gibt noch mehr Gründe.
Von Dennis Prager. Auf Townhall.com in Englisch veröffentlicht am 11. März 2008. Mit freundlicher Genehmigung übersetzt von Füchsin.
© Dennis Prager


3 responses so far ↓
1 cris // Mar 16, 2008 at 9:47 pm
Good job, Füchsin
It would be interesting to hear what you think of it.
I agree with Dennis on that, but your opinion carries more weight, of course, since you are a woman.
2 Füchsin // Mar 19, 2008 at 2:36 pm
I do agree with Dennis, but I’d like to add the following (on what you and Dennis might disagree)
I am a single mother, raising a boy. Out of the many difficulties I experienced, I am 100% sure that there is absolutely no alternative to the classic model of a family. (One man, one women, and children)
This is the only model that has a good chance to raise happy and healthy children. And I think the best for children is a mother or a father that all day long stays at home and takes care for the children – today more than ever, because today as a parent you literally fight against the whole world in order to protect your child and provide a childhood. In fact, you need a lot of money, too (all this to be discussed another time) so as a woman you better marry a man who can provide enough money for the family to live in a really good neighbourhood.
I agree on every sentence of Dennis’ column – my personal story totally fits into it.
Nevertheless, I think I have some traits that Dennis would rather correlate to a man than to a woman and yet I am 100% a woman and I think there are more women who feel that way.
I stayed at home for 2,5 years with my son when he was born and I found it terrible. I was so used to intellectual work and so much loved my life as a student that I literally suffered from taking care for a small child. I felt like in a prison. It was not a satisfaction of a woman’s need at all, at least not my needs. I felt out of the game, bored to death, like Sisyphus. While taking care of my child, I had to neglect all my intellectual brain capabilities that are the core of my very existence. I thought I’d suffocate mentally.
I once read a book, I think it was from Johanna Schopenhauer (Arthur Schopenhauer’s wife), the book was titled “Gabriele”.
In one scene, well educated young woman Gabriele teaches her illiterate maidservant, who never attended school. Gabriele teaches her writing, languages and sciences and her maidservant is a good and curious student. Then, one day a wise woman enters the room and sees Gabriele teaching her maidservant. Later the wise woman advises Gabriele to stop teaching her maidservant, because the maidservant will otherwise become very unhappy. Gabriele asks why the maidservant will become unhappy – after all, isn’t it good for her to learn how to read and write and to understand the world? The wise woman says no, it’s not good, because the maidservant will be a maidservant her whole life long and will be very unsatisfied with her destiny as a simple servant, once she tasted the intellectual fruits of a social class she will never belong to. So, Gabriele stops teaching her maidservant.
I was disgusted with this ‘wisdom’ but today, I see, that there is some bitter truth in it. I was totally not prepared to raise a child and totally prepared to pursue an intellectual career. If Dennis is thinking, raising a child will always bring greater happiness to a woman than other things, he is wrong. I think, when you’re young and really well educated, staying at home as a housewife and giving up your intellectual career will always make you suffer. This is not only because a woman may be deluded by feminism but for the very fact of what raising a child is, which talents and knowledge it demands and which it doesn’t demand.
Now, I am not against women being well educated – God forbid!
But it is not only unfulfilled feminist expectations, that make women unhappy. If you educate men and women well in school, it is very likely, that a life as a housewife will be very unsatisfying to a woman, because she must oppress much of her intellectual capabilities that she was training her whole young life.
This is a huge problem, because in the same time I am convinced that there is no way around a family with a mother staying at home for the children. I thought a long time about this and I am still thinking about this dilemma.
My solution is:
Ways must be found for women to start all over after their children are grown up. Woman should shift their master degrees to the time after their children are old enough. So they can do both: raising children and studying+having a career – but sequentially, not simultaneously. This way, they could focus completely on their children without feeling, they’re missing a chance of education and career in their life. They could relax and enjoy the time with their children.
I have some ideas concerning this idea of starting after the children are grown up. First of all, those women could then focus on building up their own business. Then, schools could be invented that provide a basic education that prepares for a university study and can be done at home with little time, in order to not loose track. Women could focus more on learning or studying professions, that don’t get outdated after some years. The problem with all of this is, that it would turn the notion of “young and well educated” as a precondition for a career around, and I don’t know, if this is possible. Probably not. But I like the idea, that anyone can really start in something like a study or a career, when he or she is ready for it. Some (men and women) are ready when they are 17, some are ready when they are 37 or even older, event without children.
But the most important thing is to not delude women about what it is to raise children.
3 cris // Apr 16, 2008 at 2:39 am
Füchsin, I don’t think Dennis would disagree with you. I don’t, either.
I never thought of this, I must admit.
And that story from “Gabriele” is very interesting and thought-provoking.
I cannot say how many (percentage) women get the same satisfaction from job as they do from the family - simply and maybe a bit simplistic put. I don’t think that most of the women would willingly give up the quality time with the family for the sake of the job, like, for instance the former CEO of HP (first example that comes to mind) , and it would still be OK with them. I guess this is what Dennis meant.
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