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Warum bekommen die Palästinenser viel mehr Aufmerksamkeit als die Tibeter?

March 27th, 2008 by Füchsin · 1 Comment

Warum bekommen die Palästinenser viel mehr Aufmerksamkeit als die Tibeter?

Von Dennis Prager.

Dennis Prager is a nationally syndicated radio talk show host and columnist in the United States. Please find more informations about Dennis Prager and his books, lectures and radio shows on www.PragerRadio.com
Kolumne vom 25. März 2008

Die Tibeter, die schon so lange leiden, waren in den Nachrichten. Das passiert vielleicht ein oder zweimal in einem Jahrzehnt. Wäre die Welt moralischer, würde sich die öffentliche Meinung jedoch weit häufiger mit den Tibetern als mit den Palästinensern beschäftigen, würde genauso streng über China wie über Israel urteilen und würde sich ebenso bei Israel einschmeicheln wie sie das gegenüber China tut.

Aber leider ist die Welt (und das war sie schon immer) ein Ort mit größtenteils bösen Gesinnungen wo Moral keine Rolle spielt und Macht  sehr viel mehr geschätzt wird als Recht.

Sehen wir uns die Fakten an. Das mindestens 1400 Jahre alte Tibet ist eine der ältesten Nationen der Welt, hat seine eigene Sprache, seine eigene Religion und sogar seine eigene Ethnie. Über eine Million Tibeter wurden von den Chinesen getötet, die tibetische Kultur wurde systematisch ausgelöscht, 6000 von 6200 Klöstern wurden ausgeplündert und zerstört und die meisten der tibetischen Mönche wurden gefoltert, ermordet oder ins Exil gejagt.

Keines dieser Merkmale trifft auf die Palästinenser zu. Es gab nie einen palästinensischen Staat, nie eine palästinensische Sprache, nie eine palästinensische Ethnie, nie eine palästinensische Religion, die sich in irgendeiner Weise vom Islam anderswo unterschied. Tatsächlich verstand man unter einem „Palästinenser“ einfach eine beliebige Person, die im geografischen Gebiet, das „Palästina“ genannt wurde, wohnte. Fast die ganze erste Hälfte des 20.ten Jahrhunderts bezogen sich die Begriffe „Palästinenser“ und „Palästina“ auf die Juden in Palästina. Der weltweit operierende jüdische Wohlfahrtsverband „United Jewish Appeal“, welcher dem entstehenden jüdischen Staat einen großen Teil seines Geldes zur Verfügung stellte hieß ursprünglich „United Palestine Appeal“. Im Vergleich zu Tibet wurden weniger Palästinenser getötet, es wurde weder die Kultur der Palästinenser zerstört noch deren Moscheen geplündert und angezündet, und die Palästinenser haben Milliarden von Dollar von der Internationalen Gemeinschaft erhalten. Anders als die aussterbende tibetische Nation gibt es heute viel mehr Palästinenser, als zur Zeit der Gründung Israels.

Das alles bedeutet nicht, dass es heute keine eigenständige, palästinensische Identität gibt. Seit der Gründung Israels entstand eine solche Identität und existiert in der Tat. Zudem wird mit all dem nicht geleugnet, dass die dritte Erschaffung eines jüdischen Staates in dem Gebiet, welches – seit die Römer Judäa umbenannt haben – „Palästina“ genannt wird, Leid bei vielen Palästinensern verursacht hat.

Aber es bedeutet, dass unter allen Angelegenheiten, derer sich die Welt hätte annehmen können, die palästinensische Angelegenheit am Ende und die tibetanische Angelegenheit am Anfang hätte stehen müssen. Das gilt ganz besonders deshalb, weil die Palästinenser schon 1947 ihren eigenen  Staat hätten haben können und weil sie großes Leid in der Welt verursacht haben, während die sehr viel stärker verfolgten Tibeter sich durch eine moralisch sehr strenge Lehre der Gewaltlosigkeit auszeichnen.

Bei all dem stellt sich die Frage: warum ist das so? Warum haben die Palästinenser so viel unverdiente Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten, während die viel benachteiligteren, viel stärker verfolgten und moralischeren Tibeter so gut wie keine Unterstützung und Aufmerksamkeit erhalten haben?

Der erste Grund heißt Terror. Vor einiger Zeit entschied die palästinensische Führung mit überwältigender Unterstützung des palästinensischen Volkes, dass die Ermordung von so vielen unschuldigen Menschen wie möglich – zuerst Juden, dann jedermann anders – der schnellste Weg war, um die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen. Sie hatten Recht.
Demgegenüber haben „tibetanische Nationalisten so gut wie nie auf terroristische Taktiken zurückgegriffen“, wie „The Economist“ in ihrer Ausgabe vom 28 . März 2008 feststellt. Es wäre interessant, darüber zu spekulieren, wie die Welt reagiert hätte, wenn die Tibeter internationale Flugzeuge entführt hätten, Chinesische Bürger in chinesischen Restaurants und Tempeln, in Bussen und Zügen abgemetzelt hätten, und chinesische Schulkinder massakriert hätten.

Der zweite Grund ist das Öl und die Unterstützung durch mächtige befreundete Araber. Die Palästinenser haben reiche Freunde, die den Rohstoff  kontrollieren, der in der Welt am meisten gebrauchten wird – das Öl. Die Palästinenser haben die bedingungslose Unterstützung aller öl-produzierenden Staaten des Nahen Ostens und die Unterstützung der muslimischen Welt auch jenseits des Nahen Ostens. Die Tibeter sind arm und haben keine Unterstützung von anderen Ländern, ganz zu schweigen von solchen, die Öl produzieren.

Der dritte Grund ist Israel. Dass der weltweite pro-palästinensische Aktivismus manchmal mit der Feindlichkeit gegenüber Juden im Zusammenhang steht, heißt, das Offensichtliche zu leugnen. Es ist nicht denkbar, dass es keine Beziehung gibt zwischen der unverdienten Beschäftigung mit den Palästinensern und der Tatsache, dass deren Feind der einzige jüdische Staat auf der ganzen Welt ist. Das Jüdischsein Israels hat einen großen Anteil des Hasses der muslimischen Welt auf Israel. Ebenso ist es ein Teil der europäischen Feindseligkeit gegenüber Israel: Israel als Unterdrücker darzustellen, mildert einen Teil der europäischen Schuld  am Holocaust: „Seht ihr, die Juden handeln auch nicht besser, als wir es getan haben“. Daraus resultiert auch der allgegenwärtige Vergleich von Israel und den Nazis.

Ein vierter Grund ist China. Wäre Tibet von einer weißen, europäischen Nation niedergeworfen worden, hätten die Tibeter weit mehr Mitgefühl hervorgerufen. Aber leider haben deren beinahe völkermörderische Unterdrücker keine weiße Hautfarbe. Und die Welt nimmt Massenmord, der nicht von Weißen verübt wurde, nicht annähernd so ernst  wie irgendetwas, was westliche Menschen an nicht-westlichen Menschen verbrochen haben. Außerdem ist China weit mächtiger und Angst einflößender als Israel. Israel hat zwar eine große Armee und Nuklearwaffen, aber es ist pro-westlich, es ist eine freie und demokratische Gesellschaft und versammelt sieben Millionen Menschen auf einem Stück Land, das so klein wie Belize ist. [Anmerkung Füchsin: Israels Fläche ist ohne die PA-Gebiete etwas kleiner als unser Bundesland Hessen.]  China hat Nuklearwaffen, eine Billionen US-Dollar, eine immer schlagkräftigere Armee und Marine, ist weder frei noch demokratisch, ist anti-westlich und hat 1,2 Milliarden Menschen in einem Land, das auf dem asiatischen Kontinent vorherrscht.

Ein fünfter Grund ist die Linke auf der ganzen Welt. In der Regel dämonisiert die Linke Israel und liebt China seit es im Jahr 1948 kommunistisch wurde. Und wenn man die Macht der Linken in den weltweiten Medien, im politischen Leben so vieler Länder und in den Universitäten und den Geisteswissenschaften bedenkt, ist es kein Wunder, dass das unmoralische China angehimmelt und das humane Israel verteufelt wurde.

Der sechste Grund ist die UN (Vereinten Nationen), wo Israel in mehr Generalversammlungen  und Resolutionen des Sicherheitsrats verurteilt wurde, als jedes andere Land der Welt.  Gleichzeitig hat die UN China in den Sicherheitsrat gewählt und nie verurteilt. Chinas finanzielle Unterstützung des Sudan und seiner völkermörderischen Taten gegen die nicht-arabische, schwarze Bevölkerung, wie in Darfur, wird größtenteils von der UN nicht kommentiert und schon gar nicht verurteilt, genau wie im Fall des kulturellen Völkermords, der ethnischen Reinigung und der militärischen Besetzung von Tibet.

Der siebte Grund sind die Fernsehnachrichten, die wichtigste Nachrichtenquelle eines großen Teils der Menschheit. Mal abgesehen von deren sowieso vorhandenen, linkslastigen Neigung, können die Fernsehnachrichten nur das berichten, was auch gefilmt werden kann. Und aus fast keinem Land wird so oft im Fernsehen übertragen wie aus Israel, während Filmreportagen in Tibet verboten sind, sowie fast überall in China, außer wo eine strenge Überwachung durch die chinesischen Autorität gewährleistet ist. Keine Filmaufnahmen – keine Fernsehnachrichten. Und kein Fernsehbericht – keine Anteilnahme. Während also trauernde Palästinenser und das unbeabsichtigte Töten von Palästinensern während der moralisch notwendigen israelischen Vergeltungsschläge regelmäßig ausgestrahlt werden, sind, was die Fernsehnachrichten betrifft, die Abschlachtung von über einer Millionen Tibeter und die Auslöschung des Tibetanischen Buddhismus und deren Kultur keine relevanten Begebenheiten.

Die Welt ist unfair, ungerecht und moralisch verdreht. Und das wird fast nirgendwo deutlicher, als in ihrer Unterstützung der Palästinenser – ganz egal wie viele Unschuldige diese ermorden wollen und egal wie sehr Nazi-ähnlicher Antisemitismus in deren Medien verbreitet wird – und bei ihrer Vernachlässigung der grausam behandelten, humanen Tibeter.

Von Dennis Prager. Auf Townhall.com in Englisch veröffentlicht am 25. März 2008. Mit freundlicher Genehmigung übersetzt von Füchsin.
© Dennis Prager

Tags: Kolumnen von DP · Media · Politics

1 response so far ↓

  • 1 Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream - heplev // Mar 30, 2008 at 7:38 pm

    […] Aus Bayern kommen deutsche Übersetzungen von Beiträgen des amerikanischen Radio-Talkers Dennis Prager. Als moralische Autorität hat er immer etwas Interessantes zu sagen und schreiben, so z.B. der neueste Beitrag: Warum bekommen die Palästinenser viel mehr Aufmerksamkeit als die Tibeter? […]

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