Anmerkung von Füchsin, der Übersetzerin: Die heutigen amerikanischen „Liberals“ (Democratic Party) in den USA haben wirtschaftspolitisch eher Schnittmengen mit der deutschen CDU, SPD bis hin zur Linken, sowie mit den sozialpolitisch liberalen Positionen der FDP, während die amerikanischen „Conservatives“ (Republican Party) eher Schnittmengen mit den sozialpolitisch konservativen Positionen der CDU/CSU und der Wirtschaftsliberalität der FDP haben.
Die amerikanischen Demokraten, die sich als liberal bezeichnen, dürfen also inhaltlich keinesfalls mit den deutschen Liberalen gleichgesetzt werden. Gleiches gilt natürlich für die amerikanischen Republikaner, die überhaupt nichts mit den deutschen Republikanern zu tun haben. Für beide Parteien gibt es in Deutschland keine entsprechende Partei.
Wie die Liberalen einen Liberalen verloren haben
Von Dennis Prager.
Dennis Prager is a nationally syndicated radio talk show host and columnist in the United States. Please find more informations about Dennis Prager and his books, lectures and radio shows on www.PragerRadio.com
Kolumne vom 15. April 2008
Die Partei der Demokraten beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage, wann Amerika den Irak verlassen wird; die Frage wie Amerika im Irak gewinnen wird, ist zweitrangig. Das erinnert mich daran, warum aus dem Autor dieses Artikels, der fast sein ganzes Leben lang ein Liberaler und Demokrat war, schließlich ein Konservativer und republikanischer Aktivist wurde.
Mein ganzes Leben habe ich mich mit den Liberalen identifiziert. Wie auch sonst? Ich wuchs als Jude in New York City auf, wo ich meinen Hochschulabschluss in Sozialwissenschaften an der Universität von Columbia machte. Es ist fast redundant, einen intellektuellen Juden in New York einen Liberalen zu nennen. Tatsächlich habe ich nie einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten gewählt, bis Ronald Reagan sich 1980 zur Wahl stellte. Seither allerdings habe ich nie wieder für einen Demokraten gestimmt.
Was war passiert? Habe ich 1980 plötzlich meine Werte geändert? Oder hat der Liberalismus seine Werte geändert? Offensichtlich hat sich einer (oder haben sich beide) geändert.
Da ich meine Werte kenne, ist die Antwort so klar und eindeutig, wie sie nur sein könnte: Der Liberalismus hat sich geändert, nicht ich. Um es kurz zu machen: Aus Liberalismus war linke Ideologie geworden. Oder, um es anders auszudrücken - da mein Bezugssystem moralische Werte sind – der moralische Kompass des Liberalismus war zerbrochen. Er zerbrach während des Vietnam-Krieges, trotzdem konnte ich mich bis 1980 nicht dazu durchringen, für die Republikaner zu wählen. Der emotionale und psychologische Halt, den die Demokratische Partei und das Wort „liberal“ auf diejenigen ausüben, die sich selbst für „liberal“ halten ist stärker als die Fähigkeit der meisten dieser Individuen, zuzugeben, wie weit sich der heutige Liberalismus und die Demokratische Partei von liberalen Werten entfernt haben.
Hier sind vier exemplarische Beispiele, die jeden, der schon immer demokratisch gewählt hat, dazu veranlassen sollten, republikanisch zu wählen und sich gegen die „Progressiven“ und andere Linke zur Wehr zu setzen.
Die Kernfrage, die den emotional schwierigen Prozess anstieß, aus dem liberalen Autor dieses Textes einen bekennenden Konservativen und aktiven Republikaner zu machen, war der Kommunismus. Ursprünglich war es die Arbeiterbewegung und die Demokratische Partei, die Amerikas Widerstand gegen den Kommunismus anführte. Es war der Demokrat Harry Truman und kein Republikaner, der die schwierige und unpopuläre Entscheidung traf, nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erneut einen Krieg zu führen – den Krieg gegen den chinesischen und koreanischen Kommunismus. Es waren auch Demokraten – John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson – die den Krieg gegen den chinesischen und vietnamesischen Kommunismus führten.
Dann kam Vietnam, und die Demokraten und Liberalen (in den Universitäten, Gewerkschaften und in den Medien) gaben diesen Krieg auf und überließen damit Millionen von Asiaten dem Totalitarismus und Tod, diffamierten das amerikanische Militär, wurden Kriegsgegner anstatt Gegner des Bösen, wurden Anti-Antikommunisten anstatt Antikommunisten und waren für den Isolationismus, ein Konzept, welches ich und andere zuvor immer mit den Konservativen und der Republikanischen Partei verbunden haben. Dieser Wechsel wurde beispielhaft 1972 vorgeführt, als der demokratische Präsidentschaftskandidat George McGovern seinen Wahlkampf mit dem Slogan „Come home, America“ führte.
Das wiederum führte dazu, dass sich die Liberalen die unmoralische Doktrin der moralischen Gleichwertigkeit einverleibten. Wie ich auf der Universität von Columbia gelernt habe, wo ich internationale Beziehungen studiert habe, war Amerika genauso verantwortlich für den Kalten Krieg, und moralisch unterschieden sich die USA nur wenig von der UdSSR. Im Wesentlichen waren beide zwei Supermächte, von denen jede seine imperialistischen Interessen verfolgte. Nie werde ich vergessen, wie mich der Professor meines Graduierten-Seminars in dem es um die vertiefte Analyse des Kommunismus ging, Zbigniew Brzezinski, schalt, weil ich das Wort „Totalitarismus“ verwendete, um die Sowjetunion zu beschreiben.
Ich kann mich auch daran erinnern, dass ich Ende der 70ger Jahre in einem öffentlichen Forum den später berühmten Historiker Arthur Schlesinger fragte, ob er sagen würde, dass Amerika, insgesamt betrachtet eine bessere, d.h. moralischere Gesellschaft als die sowjetische Gesellschaft ist. Er antwortete, dass er das nicht sagen würde.
Daher war es nicht überraschend, sondern verstärkte meine Auffassung darüber, was mit den Liberalen passiert war eher auf bedrückende Weise, als Liberale und Demokraten Präsident Ronald Reagan dafür verurteilten, die Sowjetunion als ein „böses Imperium“ bezeichnet zu haben.
Das Böse zu erkennen und zu bekämpfen bleibt nach wie vor die Achillesferse der Liberalen, der Progressiven und dem Rest der Linken. In der Zeit nach dem Vietnam-Krieg weigerten sich die Liberalen nicht nur, den Kommunismus als böse zu identifizieren und ihm entschlossen die Stirn zu bieten. 1981 verurteilte jede große liberale Zeitung in Amerika Israels Zerstörung von Saddam Husseins Nuklearreaktor (die einer Person das Leben kostete – einem französischen Geheimdienstmitarbeiter, der dort war um den israelischen Bombern zu helfen und der daher bewusst sein Leben riskiert hatte). So schrieb die New York Times im Leitartikel: „Israels heimlicher Angriff … war ein Akt unverzeihlicher und kurzsichtiger Aggression.“
Die meisten Demokraten im Kongress stellten sich sogar gegen den Ersten Golfkrieg, der von den Vereinten Nationen und dem Internationalen Recht gebilligt wurde und der gegen die blutige Annektierung Kuwaits durch Saddam Husseins Irak geführt wurde.
Und heute ist die einzige Sorge der liberalen Welt der Demokraten in Anbetracht des Irak, wo Amerika dabei ist, den derzeit größten Kampf gegen das organisierte Böse zu kämpfen, die Sorge, wie bald Amerika sich aus dem Irak zurückziehen kann.
Es gab noch eine größere Anzahl von innenpolitischen Themen, die mich als ehemaligen Liberalen und Demokraten dazu gebracht haben, mich von dieser Partei abzuwenden. Aber nichts davon ist vergleichbar mit der Preisgabe des Krieges gegen das Böse, welcher die wichtigste Aufgabe ist, der sich jede Generation der Menschheit stellen muss.
Ich kann verstehen, warum ein Linker eine Partei wählt, von deren Präsidentschaftsanwärter keiner auch nur in einer einzigen Präsidentschaftsdebatte die Worte „Islamischer Terror“ in den Mund genommen hat. Aber warum ein wahrer Liberaler diese Partei wählt, kann ich immer noch nicht verstehen.
Von Dennis Prager. Auf Townhall.com in Englisch veröffentlicht am 15. April 2008. Mit freundlicher Genehmigung übersetzt von Füchsin.
© Dennis Prager


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