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Als ich ein Junge war …

June 14th, 2008 by Füchsin · 1 Comment

Als ich ein Junge war, war Amerika besser

Von Dennis Prager.

Dennis Prager is a nationally syndicated radio talk show host and columnist in the United States. Please find more informations about Dennis Prager and his books, lectures and radio shows on www.PragerRadio.com
Kolumne vom 10. Juni 2008

     

An dem Tag, als das O.J.Simpson-Urteil gesprochen wurde, sagte ich zu meinem Sohn, der damals ein Teenager war: „David, bitte vergib mir. Ich vererbe Dir ein schlechteres Amerika, als mein Vater mir vererbt hat.“

Unglücklicherweise glaube ich das auch heute noch.

Außer dem wichtigen Bereich der Rassendiskriminierung – die bereits von alleine ausstarb, als ich jung war – ist es schwierig einen wichtigen Bereich zu nennen, in welchem Amerika deutlich heute besser ist, als in der Zeit meiner Jugend. Aber mir fallen viele Bereiche ein, in welchen sich die Lebensqualität verschlechtert hat.

Als ich ein Junge war, war Amerika eine freiere Gesellschaft als heute. Wenn man den Amerikanern damals den Umfang und die Anzahl der Gesetze gesagt hätte, die ihre Rede und ihr Verhalten innerhalb einer Generation regulieren werden, wären diese sicher gewesen, dass man ihnen von irgendeiner Diktatur erzählt, nicht vom ‚Land der Freien’. Um nur ein Beispiel zu nennen: heute sind die Menschen in der Arbeit viel weniger frei darin, ungezwungen zu sprechen. Jedes Wort, jede Gestik und Mimik, sogar ein Kalender mit Bildern wird heute kontrollierend beobachtet, aus Furcht, ein Kollege könnte daran Anstoß nehmen und einem sexuelle Belästigung vorwerfen oder einem vorwerfen, man würde eine „feindliche Arbeitsumgebung“ schaffen, oder dass man rassistisch ist, oder religiös oder ethnisch unsensibel, oder dass man unsensibel gegenüber der sexuellen Orientierung anderer ist.

Inzwischen ist es allen Arbeitgebern in Kalifornien gesetzlich verboten, einem Mann zu kündigen, der entschieden hat, in Frauenkleidern zur Arbeit zu erscheinen. Unnötig, dabei zu erwähnen, dass kein Kollege zu diesem Mann sagen kann: „Hey Jack, warum ziehst Du die Frauenkleider nicht zu Hause an und kommst in Männerkleidung zur Arbeit?“ Ein Arbeitgeber darf in einem Vorstellungsgespräch einen künftigen Angestellten nicht die allernatürlichsten menschlichen Fragen stellen: „Sind Sie verheiratet? Haben Sie ein Kind? Wie alt sind sie?“ Bald wird „Wie geht es Ihnen?“ auch noch verboten werden, damit niemand auf Basis seiner Gesundheit diskriminiert wird.

Als ich ein Junge war, ging es den Arbeitgeber nichts an, was die Leute zu Hause machten. Heute weigern sich Firmen und Stadtverwaltungen, Arbeitnehmer einzustellen, die zu Hause rauchen, ganz egal wie gesund sie sind (diese werden sogar gefeuert). Die Stadt Sarasota in Florida, die jüngst beschloss, auf Basis solcher Regeln in das Privatleben der Leute einzugreifen, würde Winston Churchill, Franklin Roosevelt, oder John F. Kennedy nicht anstellen, wenn diese sich für einen Job bewerben würden.

Als ich ein 7 Jahre alter Junge war, bin ich alleine von New York zu meiner Tante und meinem Onkel nach Miami geflogen und habe dasselbe auf dem Rückweg nach New York getan. Ich bin alleine ins Flugzeug gestiegen und alleine ausgestiegen. Meine Eltern mussten dafür keine Papiere ausfüllen. Keine zusätzliche Gebühr an die Fluggesellschaft zahlen. Ich war selbst verantwortlich. Wenn ich abgehauen wäre oder gekidnappt worden wäre, hätte niemand die Fluggesellschaft verklagt. Heute ist die Angst vor Rechtsstreits eine alles beherrschende Realität im amerikanischen Leben.

Als ich ein Junge war, bin ich während der Schulpause hinter den Mädchen hergelaufen, habe Völkerball gespielt, bin auf Klettergerüste geklettert und auf Schaukelbrettern gesessen. Heute haben immer mehr Schulen keine Schulpause mehr, haben Völkerball abgeschafft aus Furcht davor, jemand könnte sich schlecht dabei fühlen, wenn er aus dem Spiel ausscheiden muss, haben die Polizei gerufen, die Grundschuljungen verhören und manchmal sogar verhaften sollen, welche spielerisch Mädchen angefasst haben, um sie zu necken. Und Klettergerüste und Schaukelbretter sind - im Fall dass sich ein Kind verletzt - aus Angst vor Gerichtsklagen größtenteils abgeschafft.

Als ich ein Junge war, waren erwachsene Männer um mich herum. Heutzutage erleben amerikanische Jungen (und natürlich auch Mädchen) während des ganzen Schultags keinen einzigen erwachsenen Mann. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind ihre Lehrer und Schulrektoren Frauen. Und wenn es dann noch keinen Vater zu Hause gibt, wie das oft der Fall ist (nicht einzig und allein wegen einer Scheidung, sondern weil „Familiengerichte“ vielen geschiedenen Müttern erlaubt haben, den Vater aus dem Leben ihrer Kinder wegzunehmen), kommen Jungen fast nie in Kontakt mit der Gruppe von Menschen, die in ihrem Leben am wichtigsten ist: erwachsene Männer. Das Fehlen von Männern im Leben der Jungen in der jetzigen Zeit ist nicht nur ohne Beispiel in der amerikanischen Geschichte – es ist auch ohne Beispiel in der Menschheitsgeschichte.

Als ich ein Junge war, gab es in unserem Leben Erwachsene, die stolz darauf waren, erwachsen zu sein. Um sie von unseren Spielkameraden zu unterscheiden, nannten wir sie „Herr …“, „Frau …“ oder „Fräulein“, oder bei ihrem Titel „Doktor“, „Pfarrer“, „Rabbi“, „Pater“. Das war gut für uns, und wir mochten das. Dass wir Erwachsene hatten, die stolz auf Ihr Erwachsensein waren und sich nicht benahmen, als wäre sie noch Kinder, gab uns Sicherheit (und erfüllte uns mit Zuversicht, während wir aufwuchsen). Heutzutage sind die Kinder von doppelt, dreifach, vierfach so alten Spielkameraden umgeben.

Als ich ein Junge war, war der Zweck von amerikanischen Geschichtsbüchern, amerikanische Geschichte zu lehren. Heute ist der Zweck der meisten amerikanischen Geschichtsbücher, Minderheiten und Frauen Selbstbewusstsein zu vermitteln. Als Resultat wird den meisten amerikanischen Kindern vorenthalten, sich selbstbewusst zu fühlen, weil sie Amerikaner sind (ganz abgesehen davon, dass ihnen die historische Wahrheit vorenthalten wird). Sie werden ermutigt, sich stolz auf alle möglichen Identitäten zu fühlen – afroamerikanisch, hispanisch, asiatisch, weiblich, schwul – es sei denn, es ist die amerikanische Identität.

Als ich ein Teenager war, war es der aufregendste Moment im ganzen Leben, ein Mädchen küssen zu dürfen, ganz zu schweigen, ihre Oberschenkel oder gar die Brust (sogar wenn bekleidet) anfassen zu dürfen. Die meisten von uns konnten nur von dem Tag träumen, an dem sie später in ihrem Leben einmal Oralsex haben würden (ein Begriff, von dem die meisten von uns noch nie gehört hatten). Aber klar, wir wurden auch nicht von Erziehern oder Eltern großgezogen, die glaubten, dass „Teenager so oder so Sex miteinander haben“. Die meisten von uns haben wenn, dann nur sehr selten jemals eine nackte Frau auf einem Foto gesehen (die „schmutzigen Bilder“, die wir überhaupt sehen konnten zeigten nie „alles“), ganz zu schweigen in einem Film oder im wirklichen Leben. Um es kurz zu machen: wir durften einigermaßen unschuldig sein. Und trotz fehlenden Sexualkundeunterricht und Unterricht darüber, wie man ein Kondom verwendet, haben wenige von uns jemals ein Mädchen geschwängert.

Als ich ein Junge war, zeigte die TV-Serie „I love Lucy“ zwei getrennte Betten in Lucys und Rickys Schlafzimmer – und die beiden waren verheiratet. Heute durchtränken MTV und die meisten TV Sender das Leben ihrer Zuschauer mit sexuellen Bildern und sexuellen Gesprächen, wovon quasi alles lieblos und natürlich unehelich ist.

Als ich ein Junge war, haben sich die Leute fein gemacht, um zu einem Baseball-Spiel zu gehen oder den Arzt zu besuchen oder mit dem Flugzeug zu reisen. Heute machen sich die Leute noch nicht einmal fein, wenn sie in die Kirche gehen.

Als ich ein Junge war, waren ‚Time’ und ‚Newsweek’ in einer guten Sprache geschrieben und haben wenig Wert auf Bilder und Illustrationen gegeben. Heute kann man diese Zeitschriften oft mit Comic-Büchern für Erwachsene verwechseln. Sie sind voll von großen Illustrationen und Fotos, und simplifizieren die Nachrichten mit einfachen Features wie „Gewinner und Verlierer“ und „Wer auf- und wer abgestiegen ist“. Und als ich ein Junge war, wäre es undenkbar für eine Zeitschrift wie die ‚Time’ gewesen, die Flagge, die von Marinesoldaten auf Iwo Jima aufgestellt wurde, durch irgendetwas zu ersetzen – schon gar nicht durch einen Baum.

Man könnte sagen, dies sind dieselben Klagen, die jede vorhergehende, ältere Generation auch vortrug - „Ach, als ich noch jung war..“ Aber in Amerika war das nicht der Fall. In Amerika sagten die älteren Generationen meist das Gegenteil: „Als ich ein Kind war, waren die Verhältnisse schlechter“.

Ist es möglich, wieder zu dem Amerika meiner Jugend zurückzukehren? Nein. Können wir zu den besten Werten aus dieser Zeit zurückkehren? Ja. Aber nicht,wenn die beiden Kongresshäuser, die Präsidentschaft und das Oberste Gericht das Land noch weiter nach links treiben. Wenn das passiert, werden viele der oben genannten Veränderungen einfach beschleunigt: Es werden mehr Gesetze in Kraft treten, die „anstößige“ Rede einschränken, es wird mehr Gerichtsverfahren geben und Strafverteidiger werden mehr Macht erlangen, das amerikanische Militär wird weniger wertgeschätzt werden, Bäume werden langsam die amerikanische Flagge als das Symbol ersetzen, das wir am höchsten ehren, Schulen werden den Kindern immer weniger beibringen, während sie sich immer mehr auf Diversität, Sexualität und den Umweltschutz konzentrieren, Sex zwischen Teenagern wird mehr und mehr als normal hingenommen werden, die amerikanische Identität wird mehr und mehr durch eine ethnische, Rassen-, Geschlechts- oder „Welt-Bürger“-Identität ersetzt werden und die Macht des Staates wird sich weiter ausweiten, während die Macht des Individuums unausweichlich schrumpft. Es ist schwer zu glauben, dass das die meisten Amerikaner wollen.

Von Dennis Prager. Auf Townhall.com in Englisch veröffentlicht am 10. Juni 2008. Mit freundlicher Genehmigung übersetzt von Füchsin.
© Dennis Prager

Tags: Kolumnen von DP

1 response so far ↓

  • 1 str1977 // Jun 26, 2008 at 8:49 am

    Sehr wahr was er sagt (auch wenn er mir die Fahne etwas zu hoch hängt - das Time-Titelbild finde ich gelungen).

    Es scheint aber Probleme mit der Verlinkung zum Originalartikel zu geben. :(

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