Wird Israel den Iran angreifen?
Von Dennis Prager.
Dennis Prager is a nationally syndicated radio talk show host and columnist in the United States. Please find more informations about Dennis Prager and his books, lectures and radio shows on www.PragerRadio.com
Kolumne vom 22. Juli 2008
Man kann sich nur schwer vorstellen, dass Israel den Iran angreift.
Man kann sich allerdings noch schwerer vorstellen, dass Israel den Iran nicht angreift.
Denken wir mal über folgende drei Fragen nach:
Erstens: meint der Iran es ernst, wenn er über die Zerstörung Israels redet?
Wenn die iranischen Führer wiederholt zu Israels Auslöschung aufrufen, nachdem sie es mit einem Krebsgeschwür vergleichen und auch sonst auf nationaler Ebene eine Rhetorik verwenden, die man von der Darstellung der Juden durch das Nazi-Regime her kennt: ist das nur eine rhetorische Übertreibung? Oder hoffen die iranischen Führer wirklich, Israel zerstören zu können und planen das auch?
Zweitens: ist der Iran dazu überhaupt in der Lage?
Jemand kann sich zwar wünschen und sogar planen, etwas ganz Abscheuliches zu tun, aber das bedeutet nicht zwangsweise, dass er zu dessen Durchführung auch wirklich in der Lage ist. Daher lautet die zweite Frage, ob der Iran Israel überhaupt zerstören kann, oder zumindest einen ausreichend hohen Prozentsatz der israelischen Bevölkerung umbringen kann und genug israelische Infrastruktur zerstören kann, so dass den umliegenden arabischen Staaten ermöglicht wird, in Israel einzumarschieren und das zu Ende zu führen, was die Mehrheit der Araber ohnehin befürwortet (sogar obwohl manche ihrer Regierungen einen Friedensvertrag mit Israel haben).
Mir scheint, die Antworten auf diese ersten beiden Fragen liegen so offen auf der Hand, dass die Beweislast bei denjenigen liegt, die anderweitig argumentieren. Glauben sie, dass die iranischen Führer bluffen? Warum sollten diese Führer bluffen? Und warum sollte jemand der Meinung sein, dass sie bluffen, wenn man deren glaubensbasierten Hass gegenüber Israel bedenkt? Mit „glaubensbasiert“ meine ich nicht, dass der Islam zwingend die Zerstörung des jüdischen Staates verlangt, sondern dass die iranischen Führer glauben, dass der Islam dies verlangt.
Der Iran wird von Leuten regiert, die glauben, dass es Gottes Wille ist, den jüdischen Staat zu zerstören. Der Iran ist auch ein Land, das zügig darauf hinarbeitet, die Fähigkeit, Nuklearwaffen einzusetzen zu erlangen, um dieses Ziel zu erreichen – durch einen direkten Angriff oder durch das Aushändigen von Nuklearwaffen an Terroristen oder durch beides.
Nie in der Geschichte gab es einen Hass, der tiefer als der Hass auf Juden war und es gibt auch heute keinen tieferen. Und ebenso ohne Beispiel ist der Hass auf den jüdischen Staat. Die Abgründigkeit von Irans Hass gegen Israel wurde einmal mehr letzte Wochen offensichtlich, während des Probelaufes der olympischen Schwimmwettbewerbe in Kroatien. Die iranische Regierung verbot seinen Athleten die Teilnahme, als es erfuhr, dass einer der anderen Schwimmer ein Jude aus Israel war. Außer israelische Juden gibt es keine Staatsbürger, wegen deren Staatsbürger anderer Länder sich weigern würden, in dasselbe Schwimmbad zu steigen.
Dieser beispiellose Hass verdeutlicht, warum die Arten der Abschreckung, die in der Vergangenheit funktioniert haben, auf das iranische Regime nicht anwendbar zu sein scheinen. Die einleuchtendste davon, die einen Atomkrieg während des Kalten Krieges unwahrscheinlich machte, war die beiderseitige Bereitschaft zum nuklearen Gegenschlag. Das Konzept der Bereitschaft zur gegenseitigen Zerstörung war kinderleicht: du bombardierst mich, also bombardiere ich dich. Unsere Leute sterben dabei massenweise, deine Leute sterben dabei massenweise. Egal wie widerwärtig das sowjetische Regime war – die beiderseitige Bereitschaft zum nuklearen Gegenschlag funktionierte, denn die sowjetischen Führer hingen an ihrem Leben.
Die Bereitschaft zum nuklearen Gegenschlag funktioniert allerdings nur mit geistig zurechnungsfähigen Menschen.
Wir halten den Wunsch, zu leben für ein entscheidendes Merkmal geistiger Zurechnungsfähigkeit. Und wir halten die Wertschätzung menschlichen Lebens für ein entscheidendes Merkmal von Moral. Keines der beiden Merkmale trifft auf Islamisten zu, wie sie den Iran regieren. Deren Motto, wie es ihre Verbündeten Hamas und Hezbollah schon oft ausgedrückt haben, lautet: „Wir schätzen den Tod mehr, als ihr [=Juden, Amerikaner, Menschen im Westen] das Leben schätzt.“ Für Leute, wie Irans Präsident Machmud Achmadinejad ist die Vorstellung, dass Millionen von iranischen Muslimen durch einen Gegenschlag sterben, während Israel niederbrennt, nicht beängstigend, sondern ein nötiges Opfer.
Wenn die Antworten auf die ersten beiden Fragen - wie ich gerade begründet habe - ganz klar „Ja“ lauten müssen, bleibt als einzige Frage noch übrig, ob Israel oder irgendjemand anders das Realisieren dieser Pläne verhindern kann.
Der einzige gewaltlose Weg dahin sind Sanktionen. Ein streng angezogener Schraubstock aus weltweiten ökonomischen, sozialen und politischen Sanktionen gegen das iranische Regime müsste versucht werden und könnten Wirkung zeigen. Ganz sicher ist das die von mir favorisierte Wahl und, wie man annehmen muss, ebenso Israels.
Aber es sieht derzeit nicht danach aus, dass die Welt bereit ist, gemeinsam den Schraubstock gegen das iranische Regime anzuziehen, so wie sie es damals mit dem südafrikanischen Apartheitsregime getan hat. Iran hat Öl – Südafrika hatte kein Öl. Iran hat weltweit Unterstützung von muslimischen Regimen, die nicht bereit sind, einem muslimischen Bruder-Staat zu drohen, insbesondere wenn dieses allzu Israel-feindlich ist. Südafrika hatte quasi keine solche Verbündeten. Iran hat fast automatische Unterstützung von mindestens zwei Mitgliedern des Sicherheitsrates: Russland und China. Südafrika hatte keine vergleichbare Unterstützung. Und ein Großteil der Welt regt sich mehr über weißen Rassismus gegen Schwarze auf, als über völkermörderische Drohungen gegenüber Juden.
Deshalb: wenn die Welt sich nicht vereint, um das iranische Regime zu ächten, ist nur eine einzige Möglichkeit übrig, es daran zu hindern, Israels Zerstörung in Angriff zu nehmen: Irans Nuklearanlagen zu zerstören.
Es gibt gewichtige Argumente dagegen, dass Israel dies tut. Aber wenn Israel glaubt, dass Iran bald fähig sein wird, es mit Nuklearwaffen anzugreifen, und dass Iran das tun wird, ist es schwierig zu räsonieren, dass Israel warten soll und damit das Risiko in Kauf nimmt, einen zweiten Holocaust zu erleben.
Von Dennis Prager. Auf Townhall.com in Englisch veröffentlicht am 22. Juli 2008. Mit freundlicher Genehmigung übersetzt von Füchsin.
© Dennis Prager